Ateliergespräche: Fotografin Andrea Peipe

Ab März 2015 werden wir in regelmäßigen Abständen wieder Interviews mit Künstlern, Fotografen und Bildermachern aus München auf unserem Blog veröffentlichen. Unter dem Motto "Ateliergespräche" stellen wir Euch heute die Fotografin Andrea Peipe vor.




Fotografin Andrea Peipe
Andrea Peipe, 34 Jahre, Fine-Art-Fotografin und Künstlerin aus München. Sie lebt mit ihrem Partner und Stiefsöhnen in München. Neben ihrer großen Leidenschaft zur Fotografie ist sie begeisterte Köchin und reist wahnsinnig gerne - am liebsten mehrfach im Jahr.
 

... Meine erste Kamera erhielt ich mit ca. 6 Jahren. Das war so eine ganz kleine mit nur einem Plastikrahmen zum Durchschauen - fast eher ein Spielzeug! Die erste Filmkamera bekam ich dann von meinen Eltern zum 12. Geburtstag geschenkt. Fotografiert habe ich damit aber eher Blumen, meine Freunde oder im Urlaub. Erst Anfang 2010 kaufte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera. Mein 365 Projekt hat mir ab diesem Zeitpunkt sehr geholfen, mich fotografisch weiter zu entwickeln.

365 Tage lang jeden Tag ein Selbstportrait. Keine Schnappschüsse, sondern Bilder, die mit intensiver Bearbeitung "verfeinert" wurden. Am Anfang war mir noch alles fremd – die Kamera, Photoshop, Beleuchtung und natürlich auch wie man selber gut auf Fotos posiert. Aber mit der Zeit wurde es einfacher und mehr und mehr Konzepte waren für mich durchführbar. Nachdem mein 365 Projekt zu Ende war, begann ich andere Menschen zu fotografieren – anfangs eher nur Portraits und mit der Zeit  surreale Fotos oder solche, die Geschichten erzählen. 

Bilderwelten erschaffen

The Madonna of the Forest von Andrea Peipe

Jeder, der sich meine Bilder ansieht, wird erkennen, dass ich eher zu dunkleren Bildern neige und fast nur in der Natur fotografiere. Gleichfalls erzähle ich mit meinen Bildern gerne eine Geschichte; die Bilder sollen emotional berühren. „Normale“ Portraits interessieren mich nicht wirklich, ich möchte eher etwas Kreatives erschaffen. In der Nachbearbeitung nutze ich gerne Farbebenen und spiele mit dem Licht. Ich bevorzuge natürliche Farben wie Braun, dunkles Grün oder Blau und lege Wert darauf, dass meine Bilder nicht zu farbig, sondern eher entsättigt sind. 

 

 

 

 

Den eigenen Bildstil finden

Ich bin sehr perfektionistisch veranlagt und möchte immer weiter in meiner Kunst wachsen. 
The Autumn King von Andrea Peipe

Was mir heute gefällt, finde ich in ein paar Monaten oft nicht mehr gut genug. Aber das ist auch gut so, denn wenn man immer mit seinen Arbeiten zufrieden ist, dann bleibt man auf diesem Level und kann nicht besser werden. Es gibt immer Raum für Verbesserungen und man lernt sowieso nie aus. Wichtig ist, den eigenen Stil zu finden. Und innerhalb dieses Stils, in meinem Fall eher dunklere surrealere Bilder, gibt es weiterhin viel Platz zum Wachsen.

Vor ein paar Monaten begann ich Requisiten selbst zu basteln und teils auch die Kleidungsstücke selbst zu nähen. Für mich wichtig, dass so viel wie möglich von mir ist: Idee, Kleidung, Requisite... Für das Bild „The Autumn King“, welches das erste Bild für mein Projekt „My Secret Garden“ war, habe ich beispielsweise den Umhang selbst genäht und die Krone hat mein ehemaliger Praktikant gebastelt. Es steckt also oft viel Arbeit in den Fotos!

Perfekte Bilder

The Queen of Theornes von Andrea Peipe
Manche Bilder, meine eher "ruhigen Konzepte" – bedürfen nicht viel Vorbereitung, sondern entstehen eher durch Inspiration in der Natur. Diese Bilder bearbeite ich in der Regel dann auch nicht stundenlang. Die fertige Pose lege ich beim Fotografieren fest und es werden in der Regel nur Licht und Farben geändert. 

Wenn es ein sehr aufwendiges Konzept ist, z.B. für mein derzeitiges Projekt „My Secret Garden“, dann kann das schon ein paar Tage und viele Bearbeitungsschritte dauern, bis ich damit zufrieden bin. Viel Vorbereitung und Arbeit fließen bereits vor dem eigentlichen Shooting ein. Meine Erwartungshaltung an ist hoch und will, dass das Bild perfekt ist. Wann es perfekt ist, kann ich gar nicht so wirklich sagen, das ist eher so ein Gefühl. Ich schaue das Bild an und weiß, es ist fertig. 

Feeback einholen

The Harvest Moon von Andrea Peipe

Ich denke, jeder der etwas erschafft, möchte auch Feedback dazu haben. Die Wertschätzung ist mir bedingt wichtig, aber ich möchte vor allem gerne eine Reaktion auf meine Bilder. Nicht jedem gefällt jede Art von Kunst und so habe ich auch Menschen in meinen Ausstellungen, welche die Bilder beispielweise zu dunkel oder nicht farbig genug finden. Man kann es sowieso nicht jedem Recht machen, weil jeder Mensch Kunst anders empfindet.

Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, dass er ein Bild nicht mag weil es ihm zu dunkel/hell/depressiv/farbig/nicht farbig genug ist, dann höre ich mir das natürlich an und akzeptiere das auch. Aber das heißt nicht, dass ich dann nach Hause gehe und das Bild ändere. Wenn ich nicht hinter meinen Bildern stehe, dann kann ich kaum erwarten, dass andere das tun. Aber ich schätze die direkte Kritik bzw. das direkte Lob von Menschen, die sich meine Bilder in Ruhe anschauen und etwas dazu sagen. Es ist mir wichtiger eine Reaktion auszulösen, als wenn jemand nur einmal kurz hinschaut und weitergeht.

Bei meinen Kollegen, eine große Gruppe junger kreativer deutscher bzw. internationaler Fotografen, finde ich viel Wertschätzung und offene Kritik. Der große Vorteil: Direktes Feedback und Hilfestellung. Gerade in der Endphase eines Bildes für mich sehr wichtig. 

Geschichten hinter den Bildern


The Sisters von Andrea Peipe
Mein Bild „The Sisters“ entstand letztes Jahr im Herbst bei einem Treffen von 14 jungen Fotografen an einem gemeinsamen Wochenende in Bayern. Die zwei Frauen auf dem Bild kannten sich vorher nicht, aber für mich repräsentierten sie zwei Schwestern. Ich bat sie also, sich  für das Bild diese zwei altmodischen, aber doch ähnlichen, Kleider anzuziehen, die ich mitgebracht hatte. Für mich ist immer die Emotion, die in einem Bild rübergebracht wird, sehr wichtig und in diesem Fall waren die beiden Frauen für mich zwei trauernde Schwestern, die nach einem Todesfall in ihrer Trauer enger zusammen kommen. Ich finde, die beiden haben das sehr gut gemacht. 







The Ascension von Andrea Peipe

Die Idee zum Bild „The Ascension“ entstand, als ich im Sommer 2013 einen Fotografen besuchte, mit dem ich eng befreundet bin. Es war ein warmer, aber auch sehr windiger Tag und die Ähren auf den Feldern wogten im Wind. Die Szene erinnerte mich an einen großen Ozean, noch verstärkt dadurch, dass die Felder in die Unendlichkeit zu ziehen schienen. Wir hatten einiges an Requisiten dabei und fotografierten verschiedenen Ausgangsbilder. In der Nachbearbeitung, inspiriert von der Vision des Ozeans, kombinierte ich die wiegenden Ähren und den Zug des Menschen über das Feld.

 
Als ich das Bild vor ein paar Monaten auf einer Ausstellung zeigte, rief es sehr unterschiedliche Emotionen bei den Betrachtern hervor – manche fanden, es wäre ein positives fröhliches Bild, manche empfanden es als eher negatives und trauriges Bild.

Über das Bild „The way to the stars“ habe ich erst vor kurzem einen ausführlichen Artikel für das Online-Magazine kwerfeldein geschrieben

The way to the stars von Andrea Peipe
Entstanden ist das Bild letzten Sommer im Starnberger See in der Nähe von München. Die Idee stand vorher schon fest, aber es war erst mein zweites Unterwasser-Shooting und unter Wasser zu fotografieren ist alles andere als einfach und vor allem unberechenbar. Die Idee hinter dem Bild war für mich eine bildliche (durchaus surreale) Darstellung des Blicks in die ungewisse Zukunft. Das Bild musste aufgrund der Verzerrung in drei Schritten aufgenommen werden – unter Wasser, über Wasser und die Wasserlinie – und später am Computer zusammengesetzt werden.



Andrea Peipe präsentiert ihre Arbeiten auf ihrer Website www.cap-photography.com 

Zwei Möglichkeiten, ihre Originalarbeiten zu sehen und Andrea Peipe persönlich kennen zu lernen:

29.04.-03.05.2015 STROKE ART FAIR, München, Praterinsel
14.05.-17.05.2015 ARTMUC ART FAIR, München, Praterinsel





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