Weißabgleich (white balance) in der Digitalfotografie


Die Digitalfotografie stellt uns eine besondere Kamerafunktion zur Verfügung, die, so stelle ich in meinen Fotokursen immer wieder fest, ein Schattendasein fristet, den Weißabgleich (englisch white Balance). 


Farbtemperatur und Kelvin-Werte



Sonnenuntergang Olympiapark München / www,fotodialoge.com


Mit der Kamerafunktion "Weißabgleich (AWB oder auch WB)" wird die Farbtemperatur des Lichts, welche in Kelvin (K) angegeben wird, angepasst.

Die Farbtemperatur variiert ua. nach Tageszeit, Lichtquelle und Farbreflexion der umgebenden Flächen.

Mit Hilfe des Weißabgleich können wir die Farbtemperatur an die Lichtquelle anpassen oder verändern.

Das Bild vom Sonnenuntergang im Olympiapark in München wurde, um die Farbstimmung zu verstärken mit 7700 Kelvin aufgenommen. Dies führt zu einer Intensivierung der Rottöne.






 

Automatischer Weißabgleich durch die Digitalkamera

Der Automatische Weißabgleich analysiert die vorherrschende Farbtemperatur und nimmt die Anpassung automatisch vor. Aber, wie mit jeder Automatik, nicht jedes Ergebnis ist ein Treffer. Für Fotografen, die mit dem RAW-Format arbeiten, ist das kein Problem. Der Weißabgleich mit klassischen Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop Lightroom, Adobe Element, Coral Draw, GIMP oder auch jedem anderen RAW-Konverter ermöglicht eine nachträgliche Anpassung des Weißabgleichs. Anders bei JPG-Dateien. Fotografen, die ausschließlich JPG-Dateien erzeugen, sollten bei der Aufnahme schon prüfen, ob der Weißabgleich ihres Fotos die Farbstimmung oder auch die Farbtemperatur wiedergibt, die er oder sie sich wünscht und sorgfältig wählen. Nachträgliche Änderungen in der Bildbearbeitung sind fast immer verlustbehaftet. Und es lohnt sich, wie das folgende Bild zeigt.

Bild: Dorothe Willeke-Jungfermann / www.fotodialoge.com / Nachtfotografie München


Vorwahl von Kelvinwerten in der Kamera

Digitalkameras bieten eben dem Automatischen Weißabgleich typische Farbtemperaturen für verschiedene Lichtquellen als Voreinstellungen an. Die zugeordneten Kelvinwerte können nach Hersteller und Kameratyp leicht variieren:

Tageslicht oder Sonne: 5500 Kelvin

Schatten: 9000-1200 Kelvin

Bedeckter Himmel: 6500-7500 Kelvin

Glühlampe: 3200 Kelvin
 

Digitale Kameras mit direkter Vorwahl des Kelvinwertes ermöglichen besonders differenziertes Arbeiten. Fotografen wählen den Kelvinwerte für die entsprechende Lichtsituation vor.

Nachfolgendes Bild entstand in unserem Kurs zur Natur- und Landschaftsfotografie "Wilde Wasser Partnachklamm" mit drei unterschiedlichen Einstellungen: Vorwahl 6500 Kelvin, 5500 Kelvin und Automatischen Weißabgleich.



Ich habe final das mittlere Bild mit 5500 Kelvin gewählt. Warum? Es kam der Farbstimmung in der Klamm besonders nahe: Das Wasser hat noch einen leicht bläulichen Charakter, das Grün wirkt frisch und die Felswände natürlich. Der erzeugte Blaustich des Automatischen Weißabgleichs gefiel mir nicht und der hohe Kelvinwert war mir zu warmtonig.


Die Autorin

Dorothe Willeke-Jungfermann (Xing) ist freie Fotografin und Inhaberin der Fotoakademie Fotodialoge (google+, Twitter, Facebook). Die Fotoschule Fotodialoge bietet kreative Fotokurse zur digitalen Fotografie für Einsteiger und Fortgeschrittene. Ein reichhaltiges Kursangebot finden Fotografen an festen Kursorten in München, Köln, Erlangen und Nürnberg sowie überall dort, wo es sonst noch schön ist in Deutschland. Fotografieren lernen können interessierte Hobbyfotografen in eintägigen Kursen, aber auch intensiven Wochenendkursen oder auf mehrtägigen Fotoreisen zu fotografisch spannenden Orten Deutschland und Europa. Dorothe Willeke-Jungfermann ist Mitglied im GDT (Gesellschaft für Tierfotografen) und im Deutschen Verband für Fotografie (DVF).

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