Fotograf Michael Jordan im Interview


Michael Jordan, Jahrgang 1962, lebt und arbeitet in Koblenz. Er ist Fotografenmeister und Obermeister der Fotografeninnung Mittelrhein. Daneben wirkt er als Buchautor, Ausstellungskurator und als Videotrainer bei Video2Brain. Bekannt ist er zudem für seine Bildbesprechungen gemeinsam mit seinem Kollegen Eberhard Schuy auf FotoTV. Er ist Mitglied im Verband Professional Imagers Club (PIC).







Michael: Gibt es so etwas wie ein fotografisches Hauptthema, dass Dich in Deiner Fotografie treibt?

Fotomagazin

Michael mag Menschen war vor vielen Jahren die Überschrift zu meinen Bildern im Foto Magazin (Heft 6/1981), die dort in der Rubrik Jugend fotografiert publiziert worden sind. An dieser Vorliebe hat sich nichts geändert.

Wenn ich Menschen fotografiere interessiert mich einerseits, wie sie miteinander kommunizieren - das sind Fotos, die ich als Beobachter mache, ohne ins Geschehen einzugreifen. Wenn ich Portraitfotos mache, dann führe ich natürlich Regie um meinem Gegenüber einen Raum zu geben in dem er/sie entspannt sein kann.






Michael: Was verstehst Du unter "Life-Fotografie"?
Bild: Michael Jordan


Die Life-Fotografie ist ganz verkürzt dargestellt das Gegenteil von Studio-Fotografie. Es ist also die ungestellte Aufnahme von Menschen in ihrer alltäglichen Umgebung. Dabei wird nur das vorhandene Licht verwendet. Bei dieser Art von Fotografie geht es aber nicht um die Darstellung einer konkreten Person, im Sinne eines Erinnerungsfotos, sondern um ein Bild, das in der Lage ist etwas über den Menschen an sich auszusagen. Fotografie von Menschen hat für mich immer auch mit Achtung und Respekt zu tun.






Michael: Was zeichnet für Dich ein gutes Bild aus?

Bild: Michael Jordan

Gut ist ein Bild für mich, wenn es eine Geschichte erzählt. Wenn ich immer wieder draufschauen möchte und darin etwas entdecken kann.


Michael: Wie wichtig sind Gestaltungsregeln und wann sollte man sie brechen?

Ein Bild möchte etwas zeigen, so wie Sprache etwas mitteilt. Dabei ist es hilfreich, dass es "Regeln" gibt, die die Verständigung vereinfachen. So wie ich jetzt in ganzen Sätzen geantwortet habe. Möchte ich eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit dann geht es auch anders. Klar. Tolles Motiv. Klick - klick - klick. Etwas Photoshop. Fertig.

Bild: Michael Jordan
Das tolle an Fotografie ist für mich auch, dass ich es nicht im Sinne einer eindeutigen Anleitung beschreiben kann, so (und nur so) wird ein tolles Bild gemacht. Gestaltungsregeln können hilfreich sein, sind jedoch kein Garant für ein Spitzenbild. Die Frage ist doch immer: Was möchte ich fotografieren? Und was ist meine ganz persönliche Sicht auf dieses Motiv? Wie denke ich drüber, was ist mir dabei wichtig? Denn nur so können Bilder gelingen, die sich von den Bildern, die andere machen unterscheiden und aus denen ich auch etwas über den Menschen, der das Bild gemacht hat erfahren kann.





Michael: Dein Buch "Vom Alltäglichen zum Besonderen" wurde 2010 für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert. Dein Konklusio "Weder außergewöhnliche Orte noch professionelle Modelle sind notwendig, um eindrucksvolle Bild zu machen". Technik allein macht keine guten Fotos. Hast Du ein paar Kurztipps für Fotografen, die noch nicht so lange fotografieren?


Bild: Michael Jordan
  1. Lass alles weg, was nicht zum Motiv gehört. So wie im Restaurant auch nur das auf dem Teller serviert wird, was zum Gelingen der guten Mahlzeit beiträgt.
  2. Überlege was Dir persönlich wichtig ist und fotografiere nur das aus Deinem Blickwinkel.
  3. Hab Freude an dem, was Du tust.






Michael: Wie kann man seinen fotografischen Blick und seine Kreativität schulen?

Fotografieren oder einfach schauen.
Üben, so wie ein Pianist täglich Tonleitern übt.
Trainieren und Freude daran haben.



Michael: Du hast ein praktisches Hilfsmittel für alle Photoshoper entwickelt, die Füllmethodentafel.


Auf der Füllmethodentafel sind die Tonwerte eines Bildes symbolisch von Schwarz bis Weiß in fünf Stufen (Schwarz, Dunkelgrau, Mittelgrau, Hellgrau, Weiß) dargestellt. Wenn ich diesen Graukeil dupliziere und die Füllemethoden darauf anwende, sehe ich sehr genau und vor allem übersichtlich, wie und ob sich die Tonwerte im Bild verändern. Damit spart der Anwender enorm viel Zeit. Zudem lassen sich mit den Füllmethoden Masken erstellen, die eine neue Dimension der Bildbearbeitung möglich machen. Schärfen, Tonung oder ein Look und sogar HDR mit wirklich einfacher Technik.

Herzlichen Dank für das Interview.

Die Website von Michael Jordan: www.jordanfotograf.de

Sein Blog: www.bildberater.de

Die Füllmethodentafel: http://fuellmethodentafel.de/



 

 


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