Naturfotografin Claudia Müller (GDT) - Kopfbilder


Claudia Müller, 44jährige Naturfotografin aus Neubrandenburg, inspirierte mich mit ihren Bilder auf dem Fotofestival "Inspiration Natur". So sehr, dass ich Ausstellungsbild erworben habe. Ich freue mich sehr, heute Claudia Müller in diesem Interview vorstellen zu dürfen.

Claudia Müller ist geboren und aufgewachsen in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Heute ist sie in einer Handwerksfirma der Stadt tätig. Seit Jahren ist sie mit der Kamera unterwegs auf der Suche nach ihrem Bild von der Welt. Schwerpunkte der fotografischen Arbeit sind Natur- und Landschaftsfotografie und Stillleben. Claudia Müller ist Vollmitglied der Gesellschaft deutscher Tierfotografen und seit Herbst 2008 Leiterin der Regionalgruppe in Mecklenburg- Vorpommern.  Sie zeigt ihre Arbeiten in Ausstellungen und verkauft diese als limitierte FineArt-Prints.
 
Ihre sehenswerten Arbeiten findet Ihr sowohl auf ihrer Website Flowerpics als auch bei Flickr.
 
 
Hallo Claudia, berichte uns über Deinen Weg zur Fotografie?
 
Naturfotografie Claudia-Müller flowerpics
Es begann mit einer kleinen Kompaktkamera, einem riesigen Berg schwarz-weißen Rollfilmen und schlaflosen Nächten in der Dunkelkammer. Ich habe alles fotografiert was lange genug still hielt, um es scharf auf den Film zu bekommen. Ich wollte meine ganze Welt in Bildern festhalten.
Geprägt haben mich Fotografen wie Ansel Adams und
Henri Cartier-Bresson - auch wenn ein Blick in mein fotografisches Profil das nicht vermuten lässt. Ihre klare Bildsprache, die sauberen Kompositionen, die Konsequenz und die Zeitlosigkeit ihrer Bilder beeindrucken mich noch heute. 
Die Hinwendung zur Naturfotografie war eher ein fließender Prozess. Aber die ganze Zeit über hatte ich das Glück, auf Leute zu treffen, die mich in dem was ich tat, ermutigten.



Wo entstehen Deine Bilder und wie erarbeitest Du Dir Deine Motiv?

Naturfotografie Claudia Müller flowerpics
Ich bin gerne an vertrauten Orten unterwegs, die ich immer wieder aufsuche kann. Manchmal gehe ich mit ganz klaren „Visionen“ von einem Bild los, vor allen wenn ich das Gebiet kenne, Lichtsituation, Vegetation e.c. einschätzen kann. Manchmal lasse ich mich einfach treiben. Manches „Kopfbild“ erweist sich als nicht realisierbar oder im Prozess entwickeln sich neue Kompositionen, eine andere Lichtführung. Ich denke, eine gute Mischung aus klarem Kopf, offenem Auge, Kreativität, Spontanität und „Spielfreude“ ist das Entscheidende.
Zeit um eine Situation zu beobachten und zu analysieren halte ich für einen ganz wesentlichen Punkt. Dann gibt es oft ein paar Testaufnahmen in denen ich mich dem Motiv „nähere“ und überprüfe, ob es mir gelingt, das was ich sehe auch in ein Bild um zu setzten.


Und, es gibt immer noch, immer wieder Motive an denen ich scheitere, denen ich mit meinen Bildern nicht gerecht werden kann. Bewegung, Veränderung, Licht, Farben mit dem Auge wahrgenommen, im Sucher fixiert, verdichtet, reduziert in Bildern das ist mein Weg.
 

Eine lange Reihe von Bildbänden darfst Du Dein Eigen nennen. Welche liebst Du besonders und warum?

Naturfotografie Claudia Müller flowerpics
Das Letzte was sich in die lange Reihe einordnet, ist das Liebste. Aber manche nehme ich schon seit Jahren immer wieder gerne in die Hand. Einige sind schon etwas „angegilbt“ und entsprechen nicht mehr unseren heutigen Vorstellungen in Bezug auf die Druckqualität, aber gerade in diesen Büchern zeigt sich die Zeitlosigkeit guter Fotografie oder ihre wegweisende Bildsprache:
 
Die letzten Gäste“ von Kai Fagerström, Risto Rasa und Heikki Willamo: Ein zauberhaftes Buch über das, was bleibt oder besser kommt, wenn der Mensch geht.

Ganz nah“ von Tim Flach: Ein (ge-)wichtiges Buch über Respekt, Würde und Demut und unglaublich gut fotografiert.

Vincent Munier „White Nature“- wie viele Farben hat der Winter? Ein stilles Fest.

Michel Munier und Vincent Munier „Au fil des Songs“: Poesie von der ersten bis zur letzten Seite

Jan Töve „Bortom Redan“: Ein Buch für alle die wissen wollen, was Naturfotografie sein kann

„Ansel Adams at 100- die große Retrospektive“ – ein Klassiker

Shinzo Maeda „Bäume und Gräser“: Beim ersten Blättern fand ich es banal, aber auch nur weil ich es nicht verstanden habe.


Tipps für junge Naturfotografen, die sich den Genre nähren wollen?

Naturfotografie Claudia Müller flowerpics
Lerne alles was du kannst über Licht, Farben und Komposition. Analysiere Bilder die dich berühren. Lass dich aus allen Bereichen der Kunst und des Design inspirieren. Setzt dich für ein paar Stunden zu den alten Holländern und schau wie sie mit Licht und Perspektive gearbeitet haben. Und dann vergiss das alles und entwickle deine eigene unverwechselbare Bildsprache.
Wenn du draußen in der Natur unterwegs bist, sei achtsam und dir der Konsequenzen deines Handelns für dein „Motiv“ bewusst.

Suche dir gute Freunde oder einen Mentoren der sich ernsthaft und kritisch mit deinen Bildern auseinandersetzt, auch wenn oder besser erst recht, wenn du sie selbst super findest und deine Familie sie liebt.



Ein (gutes)Stativ bewahrt vor dem „wilden Rumknipsen“, bringt Ruhe in den fotografischen Prozess und eröffnet die Chance die Komposition im Sucher zu überprüfen. Ein Fotorucksack der mit Technik vollgestopft ist bis der Reisverschluss klemmt, ist kein Garant für gute Bilder. Weniger ist mehr. Entscheidend ist es die Technik zu beherrschen.

Die Kamera ist nur Werkzeug. Die wirklichen Grenzen sind diejenigen, die man im Kopf  hat.


Wie findest Du die Orte für Deine Fotos?
Naturfotografie Claudia Müller flowerpics

Die Orte, an denen ich fotografiere, sind oft eher beliebig und austauschbar.
Aus meiner Sicht, ist es eher das Licht die ein Motiv zu etwas außergewöhnlichen werden lassen und natürlich die Fähigkeit des Fotografen das Besondere einer Situation einzufangen oder im „perfekten Moment“ wiederzukommen. Ich kann eine grandiose Landschaft in der Kategorie „eher beliebig“ fotografieren oder ich kann aus 3 Grashalmen hinterm Haus eine neue Welt zaubern. Der Ort ist nicht unwichtig, das Entscheidende ist aber immer der Fotograf. Wir haben es in der Hand!

Natürlich bin ich dadurch, dass ich in Mecklenburg lebe, in der glücklichen Situation eine Natur ,die unserer Vorstellung von „wild“ recht nahe kommt, fast vor der Haustür zu haben. Die alten Buchenwälder, die stillen Seen und die Küste der Insel Rügen sind für mich Sehnsuchtsorte.
 


Bearbeitest Du Deine Bilder nach?


Naturfotografie Claudia Müller flowerpics
Ja, in dem Umfang in dem man eine RAW-Datei entwickeln muss, also partielle Belichtungskorrektur, moderate Tonwertkorrektur, etwas Gradationskurve und, je nach Motiv, Tiefen und Lichter. Den Bildausschnitt korrigiere ich auch nur geringfügig.
Ich versuche mit „fertigen“ Bildern auf der Speicherkarte nach Hause zu kommen und die Dunkelkammerarbeit am Rechner auf das Nötigste zu beschränken.

Ich bin mit der klassischen Schwarz-Weiß-Fotografie groß geworden und der ein belichtete Negativrand war zu der Zeit ein absolutes Muss als Qualitätsmerkmal. Das hat mich doch ein bisschen geprägt.



    

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?
Zeit.

Naturfotografie Claudia Müller flowerpics


Mit Deinen Bild "39 Cent" wurdest Du 2010 Naturfotografin des Jahres der GDT (Gesellschaft Deutscher Tierfotografen). Dieses Bilder verkaufst Du in einer limitierten Auflage, um einen großen Teil des Erlöses projektbezogen an die BUND Regionalstelle für Neubrandenburg zu spenden.

Naturfotografie Claudia Müller flowerpics "39 Cent"
Die aus dem Preis resultierende Aufmerksamkeit schien mir geeignet, auf diesem Weg der Natur etwas zurückgeben zu können und ein alte Soll in der Nähe meiner Heimatstadt wiederzubeleben.

Für den einen sind Feldsölle nur eiszeitliche Überbleibsel und feuchte Senken im Acker, für den anderen sind es grünblau schillernde Augen in der Landschaft und für mich sind diese „Wasserlöcher“ genauso wie der weite blaue Himmel und die tiefen Buchenwälder Mecklenburgs ein Synonym für Heimat. Für die Natur sind sie kostbare Inseln in einer Agrarlandschaft und Lebensraum unzähliger Arten. In kleinen, oft mit alten knorrigen windschiefen Kopfweiden bestandenen Söllen laichen Amphibien, größere mit einem dichten Schilfbestand dienen sogar der Rohrweihe als Brutplatz und verfügen sie über einen ausreichend hohen Wasserstand, bieten sie während der Zugzeit kleinen Kranichtrupps einen Schlafplatz.

Das örtliche BUND-Büro war von der Idee begeistert. Und genau dieser Begeisterung, einer großen Portion Hartnäckigkeit und Geduld der MitarbeiterInnen ist es zu verdanken, dass aus einem Wunsch Realität wurde. Vom Aufruf an die örtlichen Bauern mit der Bitte um geeignete Flächen, der Sichtung, Prüfung der Machbarkeit mit Fachleuten, der Zusammenarbeit mit den Staatlichen Amt für Umwelt- und Naturschutz und der Umsetzung mit dem Planungsbüro Niemann, Schult & Partner hat sich das Team um Sandra Möller engagiert.

„Grünspektrum“ von Dr. Volker Meitzner aus Neubrandenburg nahm das Firmenjubiläum zum Anlass, um gemeinsam mit den Gratulanten einen größeren Geldbetrag für das Projekt zu spenden. Die Brüder Thamm in Plath bei Woldegk stellten eine geeignete Fläche zur Verfügung und im Herbst 2012 wurde „UNSER SOLL“ „bearbeitet“.

Um amphibienfreundliche Uferbereiche zu schaffen wurde das Ackersoll ausgebaggert und Bodenschwellen eingebaut, um unterschiedliche Wasserstände zu erreichen. Es liegt in einer konventionell landwirtschaftlich genutzten Fläche und verlängert mit dem in der Nachbarschaft gelegenen weiteren entschlammten Soll und der angrenzenden Hecke das grüne biotopverbindende Band.

Der Schreiadler nutzt das Gebiet zur Nahrungssuche und damit kommt gerade dieser Vernetzung von Lebensräumen eine extrem hohe Bedeutung zu. Wir haben der Natur wieder etwas Raum gegeben. Schauen wir, was sie damit macht.

Aus den Verkäufen der Restauflage von „39 Cent“ wird wieder ein großer Teil des Geldes an das BUND-Büro in Neubrandenburg gehen, um laufende oder neue Projekte zu unterstützen.

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