Histrogramme verstehen

Unsere Fototrainerin, die Fotografin und Autorin Martina Weise hat sich der stimmungsvollen Landschafts- und kreativen Pflanzenfotografie verschrieben. Ihre Experimente mit Licht und Schatten, Formen und Farben zeigen Details der Natur in einer faszinierenden Leichtigkeit und Anmut. Durch das gekonnte Spiel mit Bokeh und (Un)Schärfe entstehen abstrakte und phantasievolle Pflanzenfotografien. Die Schulung des Sehens steht bei ihren Workshops im Vordergrund.

Die Fotografin und Autorin Martina Weise schreibt regelmäßig Artikel zur Naturfotografie sowie zur Bildbearbeitung für verschiedene Fachmagazine.

 
In der Ausgabe "1/2012" der Zeitschrift "Foto Praxis" (Link) erschien ihr Artikel "Belichtung richtig und messen und kontrollieren“. Einen kleinen Auszug, welcher sich mit dem Histogramm beschäftigt, dürfen wir mit Genehmigung des Verlages auf unserem Blog veröffentlichen.

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Was besagt das Histogramm?


Histogramme als Hilfsmittel zur Beurteilung Ihrer Fotos finden Sie in Bildbearbeitungsprogrammen sowie bei den meisten Digitalkameras - entweder in Grauwerten, oder in den einzelnen Farbkanälen. Zur Beurteilung Ihres Bildes reicht die einfache Version aber meist völlig aus.

Am unteren Rand des Histogramms befindet sich die Skala mit den Helligkeitswerten (auch: Tonwerten). Links werden die dunklen Töne dargestellt, rechts die hellen. Das Spektrum reicht von tiefem Schwarz mit einem Helligkeitswert von 0 bis hin zu reinem Weiß mit einem Wert von 255. Jede der 256 Säulen auf der Tonwertskala steht für einen Pixel: Je höher die Säule, umso mehr Pixel dieser einen Helligkeit sind im Bild vorhanden.


Grenzwertig
Eine ausgewogene Belichtung schwarzer und weißer Motive im Sonnenlicht ist meist nicht ganz einfach. Mit (gesunden) Augen können wir derartig hohe Kontraste in der Regel problemlos erkennen, herkömmliche Kameras sind damit jedoch häufig überfordert.

Das relativ ausgeprägte „Gebirge“ des Histogramms läuft hier zu beiden Seiten aus. Es signalisiert gute Kontraste und eine tendenziell dunkle, grenzwertige Tonwertverteilung. Die Erhebungen an den Rändern der Skala weisen auf beschnittene Tonwerte hin: Diese sind im abgeschatteten Hals sowie im weißen Gefieder am Kopf des Blässhuhns erkennbar.





Trübe Stimmung
Ein wenig düster und trist wirkt das Bild, Helles fehlt hier völlig. Entsprechend einseitig ist das Histogramm. Die meisten der überwiegend dunklen, gut durchgestuften Tonwerte in Wiese und Bäumen sind als gemäßigte Kurve in der linken Hälfte des Histogramms erkennbar; die große Fläche Himmel wird durch die hohen Säulen dargestellt. Die Aufnahme entstand frei Hand und wurde daher bewusst am unteren Limit belichtet.

Für ein helleres Ergebnis wären längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Zahlen erforderlich gewesen.

Hier ist jedoch alles im grünen Bereich, die Datei hat keine abgeschnittenen Tiefen.


High-Key
Üblicherweise weist ein Histogramm mit einer derart hohen Säule am rechten Rand auf eine massive Überbelichtung hin: große Bildbereiche sind dann völlig weiß und ohne jegliche Durchzeichnung. Die Kurve unseres Fotos besteht nur aus helleren Tonwerten.

Dass trotz - oder gerade wegen - dieses „Defizits“ ein interessantes und spannendes Bild entstehen kann, sehen Sie hier.


Lückenhaftes Histrogramm
Die einzelnen Lücken im Histogramm weisen auf fehlende Tonwerte hin; Pixel dieser Helligkeit sind nicht (mehr) im Bild vorhanden. Derartige „Fehler“ sind meist das Resultat starker Kontrastmanipulationen.


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