Der Weg zum selbstständigen Fotografen

Viele würden es sich wünschen, aber wenige wagen es. Johannes Mairhofer aus München hat sich getraut und sich 2010 als Fotograf selbständig gemacht. Als Einsteiger hat er seine Kenntnisse über Jahre vertieft, zunächst in Teilzeit als Fotograf und Fotoassistent gearbeitet und dann den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.

Warum die Fotografie und warum die Selbständigkeit?
Der Beruf des Fotografen reizt mich, weil er unglaublich vielseitig sein kann. Meine Schwerpunkte sind z.B. die People- und die Eventfotografie, jeweils im Geschäftskundenbereich. Man ist viel unterwegs, kommt weit herum und vor allem in Unternehmen und in Bereiche, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt, geschweige denn dort fotografieren darf. So war ich z.B. für eine Slideshowproduktion für eine große Gewerkschaft in einem Autowerk. Ich durfte mich dort am Band aufhalten und fotografieren (während ganz normal gearbeitet wurde). Solche Möglichkeiten hat man normalerweise nicht bzw. sehr selten; der Beruf ermöglicht es mir allerdings und es bereitet mir große Freude.

Erzählte uns von Deinem Weg zum selbständigen Fotografen!
Mit dem Kauf der ersten eigenen Spiegelreflexkamera 2008 hat es begonnen. Ich habe relativ früh einen Workshop besucht, um mit der Kamera "warm" zu werden und um einen Einblick in die Möglichkeiten der Studiofotografie zu erhalten. Es hat mir gleich so viel Spaß gemacht, dass ich danach in Eigenregie viel ausprobiert habe, zunächst mit Freunden und später mit Laienmodellen, im Studio, "Outdoor" und an verschiedenen Locations. Daraus entwickelten sich dann einige Praktika und erste bezahlte Assistenzjobs.

Um mich noch mehr auf die Fotografie konzentrieren zu können, habe ich dann später in meinem Beruf als Angestellter in die Teilzeit gewechselt. Die nun frei gewordene Zeit habe ich genutzt und ein längeres Praktikum bei einem Fotografen absolviert. Außerdem habe ich die Assistenzjobs weiter ausgebaut und eigene erste Aufträge generiert. Mitte 2009 ist dann letztendlich der Entschluss gefallen ab 2010 hauptberuflich als Fotograf zu arbeiten, so dass sich meine Vorbereitungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 darauf konzentrierten.

In der Anfangsphase war das wirklich ein 24/7-Fulltime-Job, ein Wochenende kannte ich nicht. Freunde habe ich kaum getroffen, zum Glück hatten diese großes Verständnis dafür. Später habe ich mit dem Videoproduzenten Michael Grindmayer (truedesign.de) eine Kooperation gestartet. Wir haben unter munichevents.net eine Plattform aufgebaut, in der er seine Videos und ich meine Fotos präsentiere. So entstanden mit der Zeit auch gemeinsame Aufträge, die man alleine vermutlich nicht bekommen hätte; denn z.B. bei großen Events ist oft beides gefragt. Bei den Kunden kommt es gut an, das sie zwei Spezialisten an der Hand haben, die sich gegenseitig ergänzen und wissen worauf es ankommt. Trotzdem sind wir jeder für sich selbstständig, haben uns ganz bewusst gegen eine GBR oder andere Gesellschaftsform entschieden da wir jeder für sich Freiberufler sind und das bleiben möchten. Seit einiger Zeit haben wir uns gemeinsam in ein kleines Büro eingemietet und seit dieser Zeit ist man daheim "daheim" und arbeitet im Büro anstatt im Home-Office. Durch diese Trennung ist bei mir auch wieder eine gewisse Regelmäßigkeit eingekehrt, es gibt wieder Wochenenden, Freunde und Freizeit.

Durch eine Verwachsung an einem Auge und einer anschließenden OP hast du ein Glasauge und siehst somit zweidimensional, wirkt sich das auf deinen Beruf aus?
Beruflich sehe ich es nicht als Nachteil, denn wenn man andere meiner Kollegen beobachtet, schauen diese bei der Arbeit ebenfalls mit nur einem Auge durch die Kamera, das andere halten sie zu. Ich sehe die Welt also fast wie die Kamera (Natürlich kommt noch die Brennweite etc. hinzu, aber im groben meine ich es hier einfacher zu haben als mancher Kollege). In der folgenden Slideshow  (die im Übrigen mein Kollege Michael produziert hat) gehe ich darauf ja auch ein.


[münchenfolgen 2] Ein Auge ist genug. Der Fotograf Johannes Mairhofer from Michael Grindmayer on Vimeo.

Die Honorare für Fotografen sind im freien Fall, jeder kämpft um Aufträge. Sich in dieser Zeit selbständig zu machen ist mutig. Wie hast du es geschafft?
Noch bin ich am Anfang, ich würde daher noch nicht behaupten "es geschafft" zu haben. Trotzdem haben sich für mich bisher 3 wichtige Punkte ergeben.

1. Am Ball bleiben
Nicht ausruhen, sondern am Ball bleiben. Das ist als Selbstständiger gerade in der kreativen Branche extrem wichtig. Die Zeiten und die auch die Technik wandelt sich sehr schnell, das muss man immer im Auge behalten und beobachten was außerhalb des eigenen Tellerrandes passiert.

2. Kooperationen
Andere Fotografen sind keine Konkurrenten, sondern Kollegen. Es gibt wunderbare Kooperationen mit verschiedenen Fotografen, die sich super ergänzen weil jeder andere Schwerpunkte hat. Mit munichevents, um nur ein Beispiel zu nennen, haben mein Kollege und ich auch jeder profitiert, weil wir uns auf unsere Schwerpunkte konzentriert haben. So etwas ist auch unter direkt gleichen Berufen möglich. So empfehle ich z.B. für Bereiche, die ich nicht so gut beherrsche, einen Kollegen und erhalte umgekehrt auch Empfehlungen von diesen.

3. Kosten überschauen
Die Kosten überschauen und auf das wirklich Nötige reduzieren. Ein eigenes Fotostudio brauche ich z.B. nicht, ich teile mir eins mit Kollegen. Ebenso gibt es Einsparpotential beim Büro, es gibt viele offizielle Coworking-Angebote. Wenn einem das nicht zusagt kann man mit berufs- oder  branchennahen Kollegen ein gemeinsames Büro beziehen. Auch was das Equipment angeht muss man nicht alles selbst kaufen. Eine solide, auf die Anforderungen angepasste Ausrüstung reicht. Dinge die man selten braucht kann man leihen, auch hier wieder von Kollegen oder offiziellen Fachgeschäften, meistens haben diese auch einen Verleih.

Der Weg ist das Ziel  - welche persönlichen und fotografischen Ziele verfolgst Du in der Zukunft?
Ich wünsche mir, das ich weiterhin Selbstständig bleiben kann, das ich tolle und interessante Kunden kennenlerne, mit denen ich spannende Projekte umsetzen darf und Fotografie auch in zwei Jahren noch gefragt sein wird. Wenn nicht, dann werde ich etwas anderes finden das zu mir passt und für das ich dann kämpfe, auch da bleib ich am Ball.

Johannes Mairhofer Photography - der Link zur Website

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