Manfred Kriegelstein – eine ästhetische Sicht auf die Vergänglichkeit


Der Potsdamer  Fotokünstler Manfred Kriegelstein, DGPh, MFIAP,  fotografiert seit 1979 überaus erfolgreich. Mit 1300 Auszeichnungen und Preisen ist er der erfolgreichste deutsche Teilnehmer an internationalen Fotosalons. Er ist Autor der bei der edition q Berlin erschienenen Fotobände "Ästhetik der Photographie", "Farbe im Schwarz" - Lanzarote und "Rückseite einer Stadt" - Berlin Kreuzberg. Für den Bildband „“Rückseite einer Stadt“- Berlin Kreuzberg – wurde er mit dem Kodak Photobuchpreis ausgezeichnet!


Fotodialoge: Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Ihren Erfolg?


Manfred Kriegelstein:

  1. Trends zu setzen, statt ihnen zu folgen.
     
  2. Als Anfänger sich der harten Auseinandersetzung bei internationalen Wettbewerben gestellt zu haben, um zu wissen, welchen Anforderungen ein gutes Bild genügen muss.
     
  3. Rechtzeitig (vor ca. 10 Jahren) mit den internationalen Wettbewerben aufgehört zu haben, weil diese Szene ab einem bestimmten Anspruch, wegen der dort vorwiegenden Einzelbildbetrachtung, für mich eher hinderlich hinsichtlich der Umsetzung kreativer Konzepte wurde. Ich habe mich dann mehr der themenmäßigen Fotografie zugewandt und auf Personalausstellungen hin gearbeitet. Dennoch versuche ich meinen Seminarteilnehmern zu vermitteln, wie man ein gutes Bild macht. Wenn ich also im übertragenen Sinne den Leuten beibringe, wie man einen Elfmeter schießt, sollte ich selber gelegentlich noch das „Runde in das Eckige“ bekommen.  Deswegen nehme ich manchmal noch an nationalen Wettbewerben teil.




Fotodialoge: Für Sie ist Fotografie “Subjektivierung der Umwelt” und “In Form gegossene Emotion”?!
 

Manfred Kriegelstein: Die Wahrnehmung unserer Umwelt ist geprägt durch Gefühle, Erfahrungen, Intellekt, usw. Das bedeutet, dass wir nie objektiv sehen, sondern immer nur durch ein subjektives Raster. Ein Fotograf sollte seinen individuellen Filter gezielt einsetzen, um seine emotionale Sicht der Dinge zu vermitteln. Gute Fotografie sollte für mich mindestens genauso viel über den Autor aussagen, wie über das Motiv.




Fotodialoge: Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist die ästhetische Sicht auf die Vergänglichkeit – was reizt Sie an diesem Sujet?


Manfred Kriegelstein: Ich liebe die Kraft der Fotografie, die mich in die Lage versetzt, aus vermeintlich hässlichen und banalen Dingen ausdrucksstarke Bilder zu kreieren. Es gibt für mich kaum schönere Farben und Strukturen als die, die durch Zerfall und Zersetzungsprozesse entstehen.


 
Fotodialoge: Wie sind die Konzepte für Ihre aktuellen Arbeiten “Relics Of The Russians”, “Rooms” und “ArsMorbiduum” entstanden?



Manfred Kriegelstein: Sämtliche meiner großen Bildstrecken der letzten Jahre sind in den verlassenen Militäranlagen in Brandenburg entstanden. Angefangen hat es mit den Räumen, die mich in ihrer morbiden Verlassenheit und dem speziellen Licht fotografisch sehr animiert haben. Während dieser Streifzüge fiel mir auf, dass es dort noch viele Details und Symbole der ehemaligen sowjetischen Besatzungstruppen gibt. So beschloss ich ein eigenes Thema daraus zu machen. Mich hat aber nie die reine Dokumentation interessiert, sondern ich habe immer nur „abgedrückt“, wenn ich ein „Bild“ gesehen habe. Nach vielen Jahren in den Kasernen entdeckte ich in den morbiden Wandflächen eigene Kunstwerke die der Bildsprache der Malerei sehr ähnlich waren. Der Schimmel und die Zersetzung erschufen ihre eigene malerische Welt, die von mir nur noch fotografisch erschlossen werden musste, und so entstand der einzigartige Zyklus „Ars Morbiduum“. Ein Thema mit dem, wie sich zeigte, eher Maler als Fotografen etwas anfangen können.




Fotodialoge:  Rückblickend, worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie Ihren fotografischen Weg betrachten?


Manfred Kriegelstein: Eine eigene unverwechselbare fotografische Handschrift entwickelt zu haben.




Fotodialoge: Welches fotografische Ziel möchten Sie noch erreichen?


Manfred Kriegelstein: Niemals im Anspruch an mich selbst nachzulassen.




Fotodialoge: Auf den Anfang April 2011 Laupheimer Fototagen gab es eine Diskussionsrunde mit Detlev Motz, Peter Ernszt, Gabriela Staebler und ihnen zum Thema „Sind Fotoverbände und Wettbewerbe noch zeitgemäß?“ Ihre Meinung?


Manfred Kriegelstein: Der Fotograf ist eigentlich ein einsamer Wolf – zumindest während der Aufnahmen. Danach braucht es aber die Auseinandersetzung und die Kommunikation mit Gleichgesinnten. Ob das nun ein Verband, eine sogenannte Community oder sonst ein fotografisches Netzwerk ist, spielt keine Rolle.




Fotodialoge: Als erfolgreicher Wettbewerbsfotograf kennen Sie die Szene und können den Lesern sicherlich einige Tipps geben.


Manfred Kriegelstein: Wie gesagt, ich sehe mich nicht mehr als Wettbewerbsfotograf, meine Intentionen sind schon lange die großen Einzelausstellungen in renommierten Galerien.

Was ich gelegentlich zu Wettbewerben einreiche, ist lediglich Randprodukt meiner fotografischen Arbeit. Aus meiner Sicht als Juror kann aber ich nur empfehlen auf die Präsentation der Bilder zu achten. FineArt-Prints im sauberen Passepartout sollten heutzutage Standard sein. Massenbelichtungen digitaler Anbieter auf Hochglanzpapier mindern die Erfolgschancen erheblich. Keine Scheu haben, auch mal ungewöhnliche Sichtweisen und Themen zu präsentieren.




Fotodialoge: Haben Sie je überlegt, Ihren Beruf als Zahnarzt mit dem des Fotografen zu tauschen?


Manfred Kriegelstein: Nein, beides macht mir viel Spaß und hat letztlich etwas gemein, nämlich die Schaffung eines ästhetischen Produkts.






Fotodialoge: Vielen Dank für das Interview und weiterhin Gut Licht.

Webseite von Manfred Kriegelstein: http://manfred-kriegelstein.de/