Künstlerinterview mit dem Fotografen Christian Pankatz

Christian Pankratz, geb. 1981 in Bielefeld, kam erst mit 24 Jahren zur Fotografie. Ihm war allerdings relativ schnell klar, dass er die Fotografie zum Beruf machen möchte. 2005 begann er sein Fotografiestudium an der FH Bielefeld, welches er gerade erfolgreich mit seiner Diplomarbeit abgeschlossen hat. 


 
Fotodialoge: Fotografie für Sie - Beruf oder Berufung?

Christian Pankratz: Berufung - ich glaube, dieses innere Verlangen zu fotografieren, können viele nachempfinden.


Fotodialoge: Fotografie Intuition oder Erfahrung und Wissen?

Christian Pankratz: Intuition ist die Voraussetzung. Darüber hinaus, denke ich, muss man allerdings auch so etwas wie eine kreative Intelligenz entwickeln. Das es aber auch ohne Erfahrung geht, zeigt uns die 16-jährige Olivia Bee, die mit ihrer eigenen Art bereits für Nike und Converse fotografiert hat.


 
Fotodialoge: Was möchten Sie mit Ihren Bildern transportieren?

Christian Pankratz: Ich möchte von interessanten Orten erzählen, die medial nicht besonders präsent sind oder notorisch unterschätzt werden. Es gibt tatsächlich viele Städte und Regionen, die visuell sehr reizvoll sind, aber kaum einer würde etwas Spektakuläres dort vermuten. Ich habe letztes Jahr z.B. im Ruhrgebiet fotografiert. Die Bilder, die dort entstanden sind, scheinen einer Art Science Fiction-Welt zu entstammen: doch handelt es sich vielmehr um Reste der einstigen Industriekultur, wie Bergbauwerke und Halden, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben und nun von internationalen Künstlern umgestaltet wurden.


Fotodialoge: Haben Sie fotografische Vorbilder?

Christian Pankratz: Da gibt es einige junge Fotografen mit guten Ideen, die ich sehr schätze. Ich mag es vor allem, wenn sich ein künstlerischer Fotograf mit einem eher reportageartigen Thema beschäftigt. Dadurch entstehen neue Sichtweisen, was ich sehr wichtig finde.



Fotodialoge: Über Ihre Diplomarbeit bin ich auf Sie aufmerksam geworden; erzählen Sie uns einige Details.



Christian Pankratz: Im September 2010 war ich mit einer freien Journalistin für einen Monat in Astana. Astana ist seit 1997 die neue Hauptstadt Kasachstans, die in der westlichen Welt bisher kaum wahrgenommen wurde. Seitdem Kasachstan Anfang der neunziger Jahre, durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, unabhängig geworden ist, plant und baut der kasachische Diktator Nursultan Nasarbajew mit Hilfe von internationalen Stararchitekten diese futuristische Stadt. Finanziert wird dies durch Öl- und Gasmilliarden.

In der Vergangenheit konnte sich die kasachische Kultur unter sowjetischer Besatzung kaum entwickeln. Nun besteht offensichtlich ein immenser Nachholbedarf. Der Präsident versucht von null auf hundert eine neue nationale Identität zu erschaffen. Die einzige Reliquie des ehemaligen Nomadenvolkes, die man in der Stadt noch entdeckt, ist das Pferd, das auch immer wieder in der Arbeit auftaucht. Ansonsten wirkt die Stadt leer und nicht besonders lebendig.   


Durch die Zusammenarbeit mit einer Journalistin entstanden einige Kontakte zu Einheimischen. Ich habe mich dann dazu entschieden, zum ersten Mal auch Portraits in eine Serie zu integrieren.

Nachdem wir die Leute näher kennengelernt hatten und ihren Bezug zur Stadt kannten, fotografierte ich sie in diesen surrealen Stadtlandschaften. Dabei habe ich sie in dem neuen Licht der Stadt arrangiert.





Wir sollten Christian Pankratz nicht aus den Augen verlieren. 

Hier ein Link zu seiner Website: www.christianpankratz.de