Künstlerinterview mit Bernd Mai - "Mit Licht schreiben"



Der gebürtige Dortmunder Bernd Mai ist Baujahr 1957, verdient im wahren Leben seine Brötchen als Software-Entwickler. In seiner Freizeit ist er begeisterter Fotograf. Er präsentiert sich überaus erfolgreich mit seinen Fotografien bei nationalen und internationalen Fotowettbewerben und ist derzeit der erfolgreichste Wettbewerbsfotograf des DVF.  Ehrenvolle Auszeichnungen darf er verbuchen:





2006   d-pixx Fotograf 2006
2008   Ernennung zum MFIAP (Meister) der FIAP Fédération Internationale de l'Art Photographique 
2010   Berufung als ordentliches Mitglied in die Deutsche Gesellschaft für Photografie (DGPh)
2011   Ernennung zum „Künstler des DVF“ durch den Deutschen Verband für Fotografie (DVF)

Fotodialoge: Wie und wann hast du die Fotografie für Dich entdeckt?
Bernd Mai: Zur Fotografie kam ich 1984 über das Medium “Film“ nach der Geburt meines Sohnes. Ich selbst besaß aus Kindheitstagen nur sehr wenige Bilder von mir selbst und erkannte früh den hohen Stellenwert, etwas Unwiederbringbares auf Zelluloid zu bannen. Seit 1993 arbeite ich mit autodidaktischen Experimenten und der Möglichkeit der digitalen Weiterbearbeitung zur Bildkomposition. Seit dieser Zeit habe ich mich auch auf das internationale Wettbewerbsparkett begeben. Meine Bilder wurden seit dem in sämtlichen Medien präsentiert und zahlreich ausgezeichnet.

Fotodialoge: Fotografie als künstlerische Ausdrucksform, was fällt Dir dazu ein?
Bernd Mai: Die Vermittlung von Sichtweisen und Atmosphären ist das zentrale Ansinnen meiner Bilder. Der Reiz liegt in der Kritik anderer und in der Wahrheit die der Beobachter in meinen Arbeiten sieht. Letztendlich liegt die Wahrheit im Auge des Betrachters!

Fotodialoge: Du bist ein aktiver und erfolgreicher Fotowettbewerbsteilnehmer. Was reizt Dich an der Wettbewerbsfotografie?
Bernd Mai: Mich reizt das Messen mit anderen internationalen Größen aus der Szene und ich fühle mich wohl in der Weltspitze weit vorne zu stehen. Wer sich im internationalen Wettbewerbsgeschäft begibt braucht zu allererst eine gute Datenbank damit er den Überblick nicht verliert. Damit wird tatsächlich vieles plan- und berechenbar. Eine gute Taktik ist hier sehr wichtig um an Auszeichnungen oder auch letztendlich die begehrten Titel zu gelangen. Natürlich funktioniert dies nur mit relativ guten Bildern. Aktuell stehe ich hier am Scheitelpunkt, da ich die mir wichtigen Titel inzwischen erreicht habe. Nun glaube ich, dass ich mich freier von meinem eigenen auferlegten Zwang weiter entwickeln kann.

Fotodialoge:  Wie wählst Du Deine Bilder aus?

Bernd Mai: Eine gesunde Mischung aus verschiedenen Genres macht eine Menge aus, um sich nicht mit ähnlichen Motiven selbst Konkurrenz zu schaffen. Bei einer Themenvorgabe nicht das Einsenden, was „Jeder“ schicken würde. Immer die maximal größtmögliche Bildgröße einsenden, die erlaubt ist. Ein gutes Bild durch ein sauberes und ansprechendes Papier sowie Passepartout noch besser machen! Ein glückliches Händchen gehört sicherlich genauso dazu, wie das Glück auf die richtigen Juroren zu treffen.

Fotodialoge: Beim Betrachten Deiner Homepage ist mir aufgefallen, dass Du fotografisch eine weite Bandbreite aufweist.
Bernd Mai: Als Wettbewerbsfotograf versuche ich natürlich so ziemlich alle Genres abzudecken.Fotodialoge: Das Projekt „Treppen-Tratsch“ ist ein Langzeitprojekt von Dir.



Bernd Mai: Wer sich liften lässt – also den Fahrstuhl benutzt – wird den Anblick dieser Schönheiten verpassen, wird nicht den Handlauf entlang streifen und fühlen, wie sich der nackte hochpolierte Edelstahl, der abgegriffene Holzknauf oder fein geschwungenes Eisen anfühlt. Er drückt nur Knöpfe, Ausgang, Parterre und Erdgeschoss und fährt blind an diesen Schönheiten vorbei. Wer die Treppe nutzt, nimmt sie hin - bisweilen mit deutlichem Schnaufen. Doch die Treppe hat auch ihre ganz eigene Ästhetik. Dies herauszuarbeiten ist mein Anliegen.
Schon als Kind war bei mir das Gefühl von Freiheit und Abenteuer mit von der Partie, wenn er am Geländer die letzten Meter herunterrutschte, in der Hoffnung, dass am Ende kein Knauf den schwungvollen Absprung störte. Heute betrachte ich Treppen eher aus ästhetischen Gesichtspunkten. Es gilt, die Treppe ins rechte Licht zu rücken, eine grafisch ansprechende Linienführung zu erzeugen, eine Treppe auf das Wesentliche zu reduzieren oder ihre Wirkung durch ihre Abstraktion zu gestalten.
Zur Bildserie ist auch das Fotobuch “Treppen Tratsch“ erschienen. Das Fotobuch wurde beim CEWE-FOTOBUCHAWARD 2009 mit der Silber-Medaille ausgezeichnet.

Fotodialoge: Was fällt Dir zu den Begriffen Beruf und Berufung ein?
Bernd Mai: Ich habe einen guten Beruf in dem ich erfolgreich bin und die Fotografie ist mein Hobby – mit dem ich kein Geld verdienen muss. Das macht die Sache einfacher, da ich weder unter Zeitdruck noch Motivzwang stehe. Natürlich freue ich mich über das Interesse an meinen Bildern. Das Fotografieren ist ein wichtiger Ausgleich zu meinem anspruchsvollen Beruf.

Fotodialoge: Was war Dein Lieblingsprojekt?
Bernd Mai: Die Serie „Underground“, mit der ich die höchste Auszeichnung der FIAP (Fédération Internationale de l'Art Photographique) - den Meistertitel – als fünfter Deutscher überhaupt erreicht habe. Das war u.a. ein Ziel, was ich mir gesteckt hatte.

Fotodialoge: Du bist Guinessmitweltrekordhalter für „Die längste Fotoausstellung der Welt“ mit 1650,20 Metern.
Bernd Mai: Es war ein Gemeinschaftsprojekt der GFF (Gesellschaft für Fotografie), zu dem ich lediglich nur einen kleinen Teil meiner Bilder beigesteuert hatte. An solchen oder ähnlichen „besonderen Aktionen“ beteilige ich mich sehr gerne.

Fotodialoge: Welche Projekte sind für die Zukunft geplant?
Bernd Mai: Ich pflege u.a. eine ToDo-Liste mit Locations, die ich unbedingt noch fotografieren möchte, um die eine oder andere Sammlung weiter zu vervollständigen. Ideen habe ich viele und hin und wieder wird auch wieder etwas verworfen. Konkret spiele ich jedoch mit dem Gedanken etwas Einzigartiges und nicht Wiederholbares zu erschaffen, um einen neuen Akzent in der Szene zu setzen.

Fotodialoge: Danke für's Interview und weiterhin „Gut Licht“ und viel Erfolg.


Das Projekt Treppen-Tratsch ist derzeit im e-port-dortmund – www.e-port-dortmund.de – zu sehen.
Bernd Mai hat nachfolgende Internetauftritte:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/192
http://view.stern.de/de/profile/fotogott